Schalten - aber smart!

Thursday, August 17, 2017 8:12 PM UTC

Seit einiger Zeit befasse ich mich mit Smarthome und Homeautomation. Die Möglichkeiten, die sich bieten, sind vielschichtig und bringen etwas mehr Komfort ins eigene Zuhause. Die Dekoration mit unterschiedlichen Lichtquellen und Szenen macht mir dabei am meisten Spaß. Da einige Lichtquellen wie z.B. günstige LED-Strips meist nicht “smart” sind, wollte ich sie wenigstens smart an- und ausschalten können. Von daher habe ich mir die Smart Sockets vorgenommen und ein paar davon getestet.

Geräte

In meinem Test habe ich mir 3 Geräte bei Amazon aus unterschiedlichen Preissegmenten ausgesucht:

Modell Hersteller Schaltleistung ca. Preis in €
HS100 TP Link 250VA 30,-
COOWOO PS-15/C1 Coowoo 250VA 24,-
No-Name Coosa 250VA 15,-
*) alle Angaben ohne Gewähr

Eigentlich wollte ich ebenso den Apple Homekit kompatiblen Elgato EVE nutzen, aber der Preis von um die 50 Euro schreckt mich momentan noch ab. Ich bin mir aber sicher, dass dieser aber noch sinken wird.

Ein Wort zu den Apps

Generell ist es bei allen Apps und Geräten erforderlich, ein Konto anzulegen bzw. sich bei den diversen Diensten zu registrieren. Dies ist nötig, damit die App und die Dosen via Internet kommnizieren und vor allem einem Netzwerk / einem Standort zugeordnet werden können. Darüber hinaus ist es damit dann auch möglich, die Steckdosen außerhalb des eigenen WLANs zu schalten, z.B. von unterwegs.

TP Link HS100

Es gibt diese Steckdose in zwei Ausführungen: mit (HS110) und ohne (HS100) Energiemonitorfunktion. Mittels App können dann die Verbrauchsdaten der angeschlossenen Geräte ermittelt werden. Wer sich sowieso mal einen Energiemonitor anschaffen wollte, ist hier also richtig - und erhält gleich eine smarte Steckdose dazu.


Die Einrichtung verläuft problemlos. Knopf drücken, aufs Lämpchen warten, App starten, Gerät suchen, verbinden - fertig. Das ganze Prozedere dauert ca. 30 Sekunden - so soll das sein.

Die App Kasa ist sehr gelungen und gibt keine Rätsel auf. Es bietet sich eine Vielzahl an Funktionen, wie etwa Schaltzeitpunkte (auch Sonnenauf- und untergang), Abwesenheitsmodus oder ein Countdowntimer. Das Design ist dezent und übersichtlich.



COOWOO PS-15/C1

Bei der Modellbezeichnung bin ich mir nicht ganz sicher. Bei Amazon gibt es unterschiedliche Bezeichnungen - nicht ungewöhnlich bei chinesischen Produkten, bei denen nur der Europavertrieb bei Amazon gelistet ist. Alle Geräte sind aus China, aber bei diesem hier merkt man das leider. Die Qualität ist gut, die Packung war auch ok, aber die App und das Backend sprechen Bände. Die Einrichtung und Kopplung mit der App verlief aber ohne Hürden.


Die App EWeLink ist optisch eher mittelprächtig und ähnlich sperrig wie ihr Name gestaltet, bietet aber alles was man braucht: feste Schaltzeiten und einen Countdown. Auch hier kann außerhalb des WLANs geschaltet werden.


Der Einrichtungsprozess ist ok, es gab bei mir aber zeitweise Aussetzer beim Server, so dass sich der Prozess etwas hinzog. Ist er aber einmal abgeschlossen, läuft alles wie es sein sollte.

Coosa No-Name

Dies ist der Exot in der Riege, was man schon allein daran erkennt, dass er weder eine gescheite Modellbezeichnung hat noch in der bei Amazon üblichen Zeit geliefert wurde - er kam direkt aus China und war 8 Tage unterwegs. In der Packung ist neben dem Stecker selbst nur ein Faltblatt mit einer kurzen Anleitung zur Einrichtung - immerhin in englisch verfasst und klar verständlich.


Als App fungiert Smart Life. Diese ist optisch ganz nett und der von TP Link sehr ähnlich. Sie ist zu 90% in englisch, funktioniert aber tadellos und bietet ebenso Time, Schedule und Szenen, also alles, was man braucht.


Der Einrichtungsprozess hat mich überrascht: das billigste Teil in der Runde und gleichzeitig das schnellste Setup - binnen 5 Minuten war das Konto erstellt, das Gerät erkannt und hinzugefügt sowie der Alexa-Skill aktiviert - so soll das sein!

Alexa

Bei den Geräten sollte man neben den Rezensionen auch darauf achten, dass diese zumindest Alexa-kompatibel sind. Ist dem so, existiert ein mehr oder weniger gescheiter Skill, mit dem man dann die Steckdose per Sprachbefehl steuern kann. Hierbei gibt es große Unterschiede bei der Zuverlässigkeit.

Homebridge

Alle Geräte hier im Test sind leider nicht Homekit-kompatibel und lassen sich nur über die jeweilige individuelle App steuern - oder eben per Alexa-Skill. Homekit erlaubt es zudem aber die Geräte per Siri anzusteuern und per vordefinierter Automation können Szenen und Geräte auch per AppleTV in Abwesenheit kontrolliert werden.
Seit einiger Zeit geistert ein kleines aber feines Projekt im Netz als Opensource herum: Homebridge. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Nodejs App, die auf einem beliebigen Rechner gestartet wird. Die einfachste und günstigste Methode, einen Homebridge Server aufzusetzen, ist ein Raspberry Pi.
Es gibt zahlreiche Anleitungen für die Installation und diese ist in ca. 15 Minuten durchgeführt.

Die Konfiuration selbst ist dann etwas “undurchsichtig”, aber machbar. Am besten benutzt man entweder die unabhängig vom eigentlichen Projekt entwickelte iOS App Homebridge (ca. 5 Euro) oder mittels Web-UI. Für die Weboberfläche muss das entsprechende Plugin installiert werden.
Für den TP Link gibt es sogar ein Plugin, um das Gerät Homekit-fähig zu machen!

Ich nutze allerdings momentan keinen Pi sondern meinen Intel NUC, der eh schon diverse Dienste und Server hostet. Glücklicherweise beißt sich Homebridge nicht mit den anderen Dingen, die da laufen.

Im Folgenden habe ich die wichtigsten Plugins, die ich nutze, zusammengefasst. Die Konsolenbefehle müssen einfach auf dem Homebridge Server ausgeführt und der Server neu gestartet werden.

Homebridge Server und Web-UI

npm install -g --unsafe-perms homebridge
npm install -g --unsafe-perms homebridge-config-ui

TP Link Steckdosen

npm install -g --unsafe-perms homebridge-hs100

IFTTT einbinden

npm install -g --unsafe-perms homebridge-ifttt

Amazon Dash als Schalter nutzen

npm install -g --unsafe-perms homebridge-amazondash

IKEA Tradfri Serie steuern

npm install -g --unsafe-perms homebridge-tradfri-plugin

Bitte beachten: aus irgendeinem Grund muss man viele (wenn nicht sogar alle) Pakete mit dem Parameter unsafe-perms installieren, da sonst Zugriffe beim kompilieren nicht ausreichend vorhanden sind - meiner Meinung nach ein schwerer Bug, aber ich bin kein Nodejs-Experte.

Meine Anwendungen

Alle Smart Sockets nutze ich mit Automationen, d.h. zeitgesteuert. Mit dem TP Link schalte ich LED-Strips an meinem Schreibtisch, der COOWOO schaltet einen LED-Strip im Flur als Nachtlicht und der Coosa schaltet einen LED Strip hinterm TV. Da alle einen Alexa-Skill bieten, lassen sie sich bequem per Sprachbefehl steuern, der TP Link dank Homebridge sogar mit Siri.

Fazit

Alles in allem schlagen sich alle Kandidaten gut. Bei den Funktionen der Apps und den Services im Backend allgemein muss man die Unterschiede klar herausstellen: hier ist der Verlierer auf jeden Fall der Coowo mit der EWeLink App.

Klarer Sieger ist der Coosa - bestes Preis-/Leistungsverhältnis. Für 15 Euro erhält man einen guten Smart Socket mit einer durchdachten App und der Cloudservice funktioniert offenbar zuverlässig.

Wer es lieber mit einer bekannten Marke angehen will (bei Garantiefällen sicherlich die bessere Wahl), der kann beruhigt zum TP Link greifen, schon weil die Homebridge-Unterstützung zusätzlichen Komfort bringt.






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